Über mich
Schon als Kind hat mich die Kunst fasziniert, obwohl ich damals noch gar nicht wusste, dass es sich dabei um Kunst handelt. Mich faszinierten die Dinge des alltäglichen Geschehens - wie, mit was und auf welche Art und Weise etwas getan wurde; ich habe das alles natürlich nicht mit einem künstlerischen Schaffensprozess verbunden. Dieser Faszination folgend wurde ich Künstler -, um dann herauszufinden, dass man es nicht werden kann.

In diesem scheinbaren Widerspruch begründet sich mein Kunstverständnis und eine bestimmte Art, dieses Verständnis auszudrücken. Es ist meine Grundüberzeugung, dass die Kunst sich im alltäglichen Leben als ein gestaltbarer Formprozess abbildet. Einem Stück Holz eine Form zu geben oder ein Gespräch sich wie eine Skulptur entwickeln zu sehen, das ist für mich kein Unterschied. Auch das Gespräch ist eine Form, die er-arbeitet und be-arbeitet wird. Diese Form ist nur anders zu betrachten als eine traditionelle Skulptur.

Diese Auffassung hat sich in einer zehn Jahre währenden künstlerischen Ausbildung entwickelt. Nach dem Studium fing ich in gewisser Weise wieder da an, wo ich am Anfang schon einmal gestanden hatte. Jedoch mit dem entscheidenden Unterschied: die Dinge des Alltags in einen schöpferischen Prozess einzufügen, eine integrative Kunst zu betreiben. Diesen Weg versuche ich bis heute zu gehen.

Am Beginn einer Arbeit steht immer ein Gedanke, der mich nicht loslässt, dem ich nachgehen muss. Oder ein Thema, das mich berührt, das widerständig ist oder mich sprachlos macht. Mein Arbeitsansatz ist: das in eine Sprache zu bringen, zunächst nur für mich, weil ich es wissen will. Dann beziehe ich andere Menschen ein, weil das wiederum mich bereichert. Viele Arbeiten entstehen in Kooperationen mit Fachleuten anderer Professionen und mit Menschen vor Ort. Und immer mit dem Ziel, die Kunst in den Lebenskontext zu integrieren.

Die Themen sind vielschichtig: Beispielsweise habe ich in Dessau eine Aktion initiiert, die sich damit befasste, dass ein Stadtpark allmählich verwaiste, weil die Menschen den Aufenthalt in einer neuen Shoppingmall bevorzugten. Oder ich habe gemeinsam mit Bürgern in Erlangen nach verborgenen Ecken der Stadt gesucht – Ecken mit einer besonderen Aura. Die Gestaltungsmittel und -techniken sind dabei nicht festgelegt. Die Medien, die ich einsetze, wechseln oder ergänzen sich: Fotografie, Text, Grafik, Film, Skulptur, Gesprächsgruppen und begleitende Veranstaltungen können Bestandteil einer Arbeit sein. Unabhängig davon, welches Medium ich wähle, es geschieht immer aus dem Selbstverständnis, Bildhauer zu sein und das jeweilige Thema formen zu können.

Jörg Amonat
geboren 1960 in Erfurt
lebt seit 2008 in Berlin

1989 Mitarbeit im Atelier der Bildhauerin E.V. Nahmmacher, Greiz
1990 Mitarbeit im Atelier des Bildhauers F. Lenk, Leipzig
1991 Unterricht bei Prof. G.K. Müller, Maler und Bildhauer, Leipzig
1992 Studium der Bildhauerei bei Professor Christian Höpfner, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
1997 Aufbaustudium Kunst und öffentlicher Raum, Meisterschüler bei Professor Johannes Peter Hölzinger, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
seit 1999 als bildender Künstler selbstständig

Ausstellungen und thematische Projekte (Auswahl)
2019 WürdeMenschen, Ein partizipatives Kunstprojekt in Jena
2012 – 2018 Die Würde, theoretische Reflexionen und konzeptuelle Entwicklungen
2011 – 2012 Die Aura, Auseinandersetzung mit dem Begriff der Aura, Textarbeit
2010 – 2014 Vita activa, Gesprächskreis und graphische Umsetzung des Werkes von H. Arendt
2012 WürdeSpiegel, Beitrag zum Symposium Menschenwürde, Nietzsche-Forum München
2011 Die Auratische Stadt, Kunst im öffentlichen Raum u. Ausstellung im Rathaus Erlangen
2009 Die Sprache des Geldes, Gruppenausstellung, Museum für Kommunikation Berlin
2007 mitArbeit, Gruppenausstellung, Schaubühne Lindenfels - Westflügel, Leipzig
2005 Science+Fiction/WildCards, Gruppenbeitrag, Miraikan Museum Tokyo

Publikationen (Auswahl)
2014 Umwertung der Menschenwürde, Beitrag, Hg. Beatrix Vogel, Alber Verlag München
2011 Die Auratische Stadt, Katalog, Hg. Amonat, Volkmann, Verlag für integrative Kunst
2009 Arbeit und Rhythmus, Beitrag, Hg. Tanzarchiv Leipzig, Fink Verlag München
2005 parkTV, Katalog, Hg. Amonat, Krüskemper, Volkmann, Verlag für integrative Kunst